Geschichte des Union Yacht Club Stammverein

Der Union Yacht Club Stammverein (UYCStv) wurde am 21. April 1886 in Wien gegründet und ist damit der älteste bestehende Segelverein Österreichs. Aus ihm ging die „Union“ der Union Yacht Clubs hervor: Noch im Gründungsjahr entstanden die Zweigvereine am Wörthersee und am Attersee, bis 1950 folgten weitere Zweigvereine von Abbazia bis zum Bodensee. Sitz des Stammvereins ist bis heute die Villa Miramar am Fischerstrand an der Alten Donau, die der Gründer Edward Drory 1879 als Seglerheim erbaut hatte.

Dieser Text stützt sich auf die Festschriften von 1911, 1936, 1961 und 1986, auf den Vereinsakt der k.k. n.ö. Statthalterei von 1886 sowie auf zeitgenössische Zeitungsberichte aus dem Archiv ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek. Wo die Quellen voneinander abweichen, ist das vermerkt.

Vorgeschichte: Die Brüder Drory und der Neusiedlersee

Der Segelsport kam mit zwei englischen Gasingenieuren nach Wien: den in Berlin geborenen Brüdern Henry James Drory (1837–1899) und Edward Drory (1844–1904). Ihr Vater Leonard Drory leitete in Berlin die Gasanstalt der Imperial-Continental-Gas-Association (ICGA), einer britischen Gesellschaft, die auch in Wien mehrere Gaswerke betrieb.

Henry Drory leitete ab 1865 das Gaswerk Fünfhaus, danach das Gaswerk Erdberg, und war ab 1881 Wiener Direktor der ICGA. Die Familie wohnte im Palais Epstein am Ring. Edward Drory lebte zunächst längere Zeit in Bordeaux und kam in den 1870er-Jahren als Ingenieur-Direktor der ICGA nach Wien.

Edward Drory war ein vielseitiger Sportler. Am 1. Juni 1877 trat er dem 1. Wiener Ruderklub „Lia“ bei, dem er jahrelang als Ausschussmitglied und Vizepräsident angehörte; 1896 wurde er dort Ehrenmitglied. Er war auch Mitgründer des Wiener Regattavereins.

Segeln war auf der Donau kaum möglich. Erst die Donauregulierung, die mit der Umleitung des Stroms am 30. Mai 1875 abgeschlossen war, schuf mit der Alten Donau ein ruhiges, rund sechs Kilometer langes Gewässer. 1879 baute sich Drory dort am Westufer ein kleines Holzhaus als Seglerheim, die spätere Villa Miramar.

Das eigentliche Revier der ersten Wiener Segler war jedoch der Neusiedlersee, der in den 1880er-Jahren wieder gut Wasser führte. Drory konstruierte seine Boote selbst und baute sie im Gaswerk Erdberg. Seine Helfer aus dem Gaswerk, Komlosy, Jessernig und Fink, wurden zu Bootsbauern, Segelmachern und Yachtmatrosen. Seine bekanntesten Yachten waren die „Triton“ (1878), die „Leonore“ (1885, ein 20-Tonnen-Centreboard-Schoner, der mit Pferden von Wien an den See gezogen wurde), die „Nirwana“ (1886) und die „Afraja“ (1888).

Aus den gemeinsamen Segelpartien am Neusiedlersee erwuchs der Wunsch, „die wilde Vereinigung der Segler zu einer juridischen Person zu gestalten“, wie es Prof. Hugo Weidel bei der ersten Versammlung formulierte.

Die Gründung 1886

Der Union Yacht Club wurde in vier Schritten gegründet: zwei Vorversammlungen im März, die behördliche Genehmigung der Statuten am 12. April und die konstituierende Generalversammlung am 21. April 1886.

DatumSchritt
15. März 1886Erste Versammlung unter Vorsitz von Prof. Dr. Hugo Weidel. Ein Komitee aus Edward Drory, Prof. Dr. Gustav Lott und Constantin Freiherr von Popp soll Statuten ausarbeiten.
28. März 1886Zweite Versammlung: Die Statuten werden beschlossen.
Anfang April 1886Drory, Lott und Popp reichen die Statuten beim Ministerium des Innern ein.
12. April 1886Das Ministerium bescheinigt die Bildung des Vereins (Zl. 5945). Die Zustellung geht zu Handen Popps nach Wien I.
21. April 1886Konstituierende Generalversammlung des Union Yacht Clubs und zugleich des Stammvereins. Präsident wird Prof. Weidel.

Die „Allgemeine Sport-Zeitung“ meldete die Gründung kurz darauf: „In Wien scheint auch der Segelsport nach und nach an Ausdehnung zu gewinnen“. Der neue Club habe bei seiner konstituierenden Generalversammlung am 21. April das Blatt zu seinem offiziellen Organ gewählt. Als Adresse nannte die Zeitung Wien I., Jacobergasse 3. Dort lag ein Vereinslokal, das um diese Zeit auch der Wiener Bienenzüchterverein und der Wiener Frauenerwerb-Verein nutzten. Unter dieser Adresse nahm der Club bis mindestens 1888 Nennungen für seine Regatten an. 1889 lautete die Clubadresse dann Wien III., Erdbergerlände 36 – in Erdberg, wo Henry Drory das Gaswerk leitete.

Wo genau die Gründungsversammlung tagte, ist nicht gesichert. Die Festschrift von 1986 nennt das „Clubzimmer im Hause Wien 1., Köllnerhofgasse 2“. Zeitgenössisch belegt ist nur die Jacobergasse 3. Ein Beleg für eine Versammlung an der Technischen Hochschule fand sich bisher nicht.

Eine enge Verbindung zur Technischen Hochschule bestand erst später: Hofrat Prof. Ing. Dr. Carl Schlenk, Obmann des Stammvereins bis 1924, lehrte am Elektrotechnischen Institut der Hochschule; den Festseglertag zum 40-jährigen Bestehen hielt der Club am 2. Februar 1926 im Festsaal der Technischen Hochschule am Karlsplatz ab, und auch die Vortragsabende der späten 1920er-Jahre fanden dort statt. Das könnte die mündliche Überlieferung erklären, der Club sei an der Technischen Hochschule gegründet worden.

Das Gründungsprotokoll unterzeichneten die Gründer zwischen Mai und Juni 1886. Darauf stehen unter anderen Robert Freiherr von Walterskirchen, Constantin Freiherr von Popp, Eugen Freiherr von Ransonnet-Villez, Edward Drory, Hugo Weidel, Gustav Lott, Karl Bauer, Peter Freiherr Fellner von Feldegg, Christian Czermak, Gustav Fritz und Dr. Rudolf Thausing.

Der erste Vorstand des Stammvereins bildete zugleich die Leitung des Gesamtclubs:

FunktionName
Obmann (Präsident)Prof. Dr. Hugo Weidel, Chemiker
Obmann-StellvertreterHenry James Drory
SchriftführerConstantin Freiherr von Popp-Böhmstetten
KassierOberinspektor Karl Bauer, ICGA
OberbootsmannEdward Drory

Edward Drory übernahm nie den Vorsitz. Er blieb bis 1897 Oberbootsmann und gilt dennoch in allen Festschriften als der eigentliche Gründer. Das erste Wettsegeln des neuen Clubs fand am 27. Juni 1886 auf dem Neusiedlersee statt: Die „Vanessa“ mit Baron Popp am Steuer siegte über ein Boot des Oedenburger Ruder- und Segler-Clubs. Am 19. September 1886 folgte die erste Pocal-Regatta des Clubs am Neusiedlersee.

Die ersten Statuten

Die Statuten vom April 1886 regelten auf acht Druckseiten einen einzigen Verein mit Sitz in Wien, der „in den Stammverein und die Zweigvereine zerfällt“. Zweck war, „den Segelsport zu pflegen und zu fördern, sowie das Interesse für das Seewesen durch Bildung von Zweigvereinen an den Gewässern der Monarchie zu heben“. Das Vermögen sollte bei einer Auflösung einem Verein zur Unterstützung Schiffbrüchiger zufallen.

  • Flagge: weiß mit blauem Kreuz; im inneren oberen Feld die Heimatfarben rot-weiß-rot-grün, im äußeren die blauen Initialen U.Y.C., im inneren unteren Feld ein blauer Anker. Die Zweigvereine führten zusätzlich zwei Buchstaben für ihren Sitz.
  • Aufnahme: Aktives Mitglied konnte werden, wer 18 Jahre alt war und schwimmen konnte. Zwei Mitglieder mussten ihn vorschlagen, nach 14 Tagen entschied die Clubversammlung – offen und einstimmig.
  • Beiträge: Aktive zahlten eine Eintrittsgebühr und einen Monatsbeitrag, unterstützende Mitglieder mindestens fünf Gulden im Jahr.
  • Ausschluss: unter anderem wegen „unehrenhaften Betragens“, „grober Fahrlässigkeit, unüberlegten Unternehmungen zu Wasser, uncollegialen Benehmens und Insubordination“.
  • Vorstand: Vorstand, Stellvertreter, Schriftführer, Cassier, zwei Ausschussmitglieder und der Oberbootsmann, den die „Bootsmänner“ aus ihrer Mitte wählten. Alle mussten in Wien oder Umgebung wohnen.
  • Vereinsleben: zwei Generalversammlungen im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, dazu ein wöchentlicher Jour fix mit Vorträgen über Segeltheorie, Schiffbau und Schifffahrtskunde im Winter. „In allen Versammlungen sind Discussionen über Religion und Politik unstatthaft.“
  • Zweigvereine: Sie schickten je einen Delegierten in den Central-Ausschuss, mit einer Stimme je 20 aktive Mitglieder, aber stimmberechtigt nur in ihren eigenen Angelegenheiten. Sie zahlten einen Gulden je aktives Mitglied nach Wien und sandten Mitgliederlisten und Auszüge aus ihren Logbüchern ein.

Die Bestimmung „Im Falle der Auflösung des Stammvereines hört der Bestand des Union-Yacht-Club auf“ blieb bis 1921 in allen Fassungen erhalten.

Der Name „Stammverein“

Den Begriff „Stammverein“ gibt es seit der Gründung, als eigener Vereinsname ist er aber erst später entstanden. 1886 bezeichnete er nur den Wiener Teil des einen Vereins „Union-Yacht-Club“; seit 1902 ist der Stammverein ein eigener Verein, und erst nach 1945 heißt er offiziell „Union Yacht Club Stammverein“.

ZeitraumBezeichnungBeleg
1886„Der Verein zerfällt in den Stammverein und die Zweigvereine“Statuten 1886, § 4
1889„Union-Yacht-Club (Stammverein) in Wien“, „Union-Yacht-Club (Stammverein Wien)“Allgemeine Sport-Zeitung 1889
1902–1921„Stammverein“ als eigener Verein mit Normalstatut; Zusatz „Union-Yacht-Club“ vor dem NamenStatuten 1902, Art. IV und VI
1911–1918Der Gesamtclub heißt „K.k. Union-Yacht-Club“kaiserliche Entschließung vom 3. August 1911
1920er–1930er„U.-Y.-C. Stammverein“, kurz „U.-Y.-C. St.V.“Mitteilungen des Union-Yacht-Clubs 1928, 1935
1938–1945„Zweigabteilung Union Yacht Club Wien“ des Yacht-Clubs von DeutschlandFestschrift 1986
seit 1945„Union Yacht Club Stammverein“ (UYCStv), eigenständiger VereinVereinsregister, ZVR 865767372

Der Name erklärt sich aus der Rolle: Der Wiener Verein war der Stamm, aus dem die Zweigvereine an den Seen hervorgingen. Bis 1921 war er auch rechtlich der Träger des Ganzen.

Wie sehr der Stammverein seit 1902 als eigener Verein galt, zeigt ein Brief von 1941: Vereinsführer Rudolf Walker nannte ihn dem Reichsstatthalter gegenüber „ein[en] Zweigverein des Union Yacht Club gegründet 1902“. Gelöscht wurde damals nur der Gesamtclub von 1886; der Stammverein bestand als Zweigabteilung weiter und konnte nach 1945 unmittelbar fortgeführt werden.

Die Union wächst: Die Zweigvereine 1886–1950

Aus dem Wiener Stammverein gingen bis 1950 zwölf Zweigvereine hervor; acht davon bestehen bis heute. Die Idee Drorys war, alle Yachtsegler der Monarchie in einem Club mit gleichen Statuten und gleichem Stander zu vereinen – daher der Name „Union“. Getragen wurden die Zweigvereine anfangs von Wiener Familien, die ihre Sommerfrische an den Seen verbrachten. Viele Mitglieder gehörten mehreren Zweigvereinen zugleich an.

ZweigvereinGegründetGründer bzw. erster ObmannWeiteres
Wörthersee14. Juni 1886Robert Freiherr von Walterskirchenbesteht; Anlage in Dellach
Attersee10. Juli 1886Eugen Freiherr von Ransonnet-Villezbesteht; größter Segelverein Österreichs
Quarnero (Abbazia)30. Dezember 1887Dr. Carl Ritter van der Strass1890/92 im k.u.k. Yachtgeschwader aufgegangen
Traunsee15. August 1888Gustav Fritz, Brüder Thausing; erster Obmann Prof. Hermann von Schrötterbesteht; Sitz Gmunden
Wolfgangsee11. April 1901Prof. A. von Frisch, Dr. Paul Strohschneider u. a.besteht; Sitz St. Gilgen
Mondsee20. Mai 1908Robert Baum (erster Obmann)besteht
Bodensee1912aus dem Bregenzer Segel Club (1895)bis 1920
Grundlsee18. Juli 1914–bis 1938
Millstättersee4. September 1922/23–bis 1938
Mattsee18. März 1925Dr. Herbert Körbl, Dr. Kurt Ludwig Müller, Dipl.-Ing. Rudolf Schlenkbesteht
Neusiedlersee17. Jänner 1927Direktor Rudolf Walker (erster Obmann)besteht; Sitz Neusiedl am See
Neufeldersee16. September 1950Dr. Hanns und Dr. Erwin Bousek; Pate UYC Neusiedlerseebesteht; Neufeld an der Leitha

Fett gedruckt sind die neun Vereine des heutigen UYC-Traditionsverbands, einschließlich des Stammvereins. Auffällig ist, wie stark Mitglieder des Stammvereins die Gründungen trugen: Walker und Rudolf Schlenk, beide Bootskonstrukteure und Ehrenmitglieder des Stammvereins, standen hinter Neusiedlersee und Mattsee. Die Brüder Thausing segelten sowohl an der Alten Donau als auch am Traunsee.

Offen ist bei Grundlsee und Millstättersee, wer die Vereine gründete. Für Millstättersee nennen die Quellen 1922 und 1923 als Gründungsjahr; die Festschrift „10 Jahre UYC Zweigverein Millstättersee 1923–1933“ spricht für 1923.

Die Clubblätter helfen bei zwei Gründungsdaten weiter. Der Zweigverein Grundlsee hielt im August 1930 seine 11. ordentliche Generalversammlung ab, bestand also seit etwa 1920; sein „langverdienter Obmann“ war bis 1931 Dr. Ernst v. Obermayer-Rechtsinn. Den Zweigverein Neusiedlersee gründeten UYC-Mitglieder im November 1926, um den See „als Segelreich für Wien zu erschließen“; der Vorstand nahm ihn am 10. November als zehnten Zweigverein auf, Obmann wurde Direktor Ing. Rudolf Walker. Schon 1924 hatte „Flugzeug und Yacht“ berichtet, dass erstmals seit den 1890er-Jahren wieder eine Jolle für den Neusiedlersee gebaut werde. Am Mondsee war 1928 noch Gründungsobmann Robert Baum im Amt.

Die Kaiserzeit 1886–1918

In den ersten Jahrzehnten war der Stammverein der eigentliche Club: Sein Vorstand war zugleich der Zentralausschuss des gesamten UYC, die Zweigvereine schickten nur je einen Delegierten. Die Aufnahme neuer Mitglieder erfolgte durch Ballotage, anfangs sogar einstimmig. Die Mitglieder kamen aus Adel, hohem Beamtentum und vermögendem Bürgertum; die Mitgliedschaft galt als Auszeichnung.

Vom Neusiedlersee an die Alte Donau. In den 1890er-Jahren verlandete der Neusiedlersee zusehends. Der Stammverein segelte fortan fast nur noch auf der Alten Donau. Das Wachstum blieb bescheiden: In den ersten zehn Jahren stieg die Zahl der aktiven Mitglieder nur von 14 auf 26. Ein Grund war die schlechte Verbindung von der Stadt an die Alte Donau, die erst Pferdebahn und Straßenbahn besserten.

Die Villa Miramar wird Clubhaus. Henry Drory starb am 24. Juli 1899 in Wien. Edward Drory war bereits 1896 nach Berlin gegangen, wo er die Gaswerke der ICGA leitete und das Gaswerk Mariendorf baute. Im Herbst 1899 schenkte er dem Stammverein sein Seglerheim an der Alten Donau samt seiner Yacht „Nirwana“. Die Villa Miramar ist seither im Besitz des Vereins. Edward Drory starb am 2. oder 3. September 1904 in Berlin; die Clubflaggen wehten auf Halbmast.

Boote. 1897 schaffte der Club zwei Alsterjollen als Clubboote an, „Edward“ und „Marie“. Nach 1900 folgten Kielboote und Schwertboote, 1910 zwei nationale Jollen aus Hamburg, „Pussi“ und „Brummer“. Weil die Alte Donau eng ist und der Wasserstand stark schwankt, ließen sich viele Mitglieder ab 1909 nach dem Vorbild von Professor von Larisch Kanus bauen: 1911 waren es 11, 1913 schon 17.

Regatten. Der Höhepunkt der frühen Jahre war die jährliche Pocal-Regatta auf dem Neusiedlersee, die der Club ab 1886 veranstaltete; 1889 wurde sie als „Nirwana-Pocal“ gesegelt, ausgerichtet vom „Union-Yacht-Club (Stammverein Wien)“. 1891 stiftete der Stammverein als ersten Preis eine „prachtvoll ausgerüstete Yacht“; gewonnen hat Drorys „Nirwana“, die damals als schnellstes Wiener Boot galt. Auch auf den Seen der Zweigvereine setzte der Stammverein Preise aus, etwa 1902 einen Pokal für Yachten der Klasse VI.

Die Reform von 1902. Nach den Statuten von 1886 „zerfällt der Verein in den Stammverein und die Zweigvereine“. Der Ausschuss des Stammvereins bildete zusammen mit je einem Delegierten der Zweigvereine den Central-Ausschuss; die Delegierten durften nur in Angelegenheiten der Zweigvereine mitstimmen. Gegen diese Bevormundung regte sich früh Widerspruch: Schon im Dezember 1886 wurden erste Änderungen genehmigt. Die Fassung von 1888, 1898 nochmals geändert (Erlass des Ministeriums des Innern vom 6. Dezember 1898), behielt den Grundaufbau bei; neu war vor allem, dass Stammverein und Zweigvereine nun auch Junioren von 15 bis 24 Jahren aufnehmen durften, mit eigenem Junioren-Stander. 1902 bestanden vier Zweigvereine: Wörthersee, Attersee, Traunsee und Wolfgangsee. Sie wuchsen schneller als der Stammverein – der Attersee hatte bald mehr Mitglieder als der Wiener Verein –, und ihre Mitglieder kamen zunehmend auch aus den Kronländern.

Beschlossen wurde die Reform in einer außerordentlichen Generalversammlung des Stammvereins am 24. April 1902, mit Zustimmung des Zentral-Ausschusses; Präsident war Prof. Gustav Lott. Am 23. Juni 1902 legte der Club die neuen Statuten dem Ministerium des Innern vor. Am 2. Juli 1902 nahm das Ministerium die „Umbildung des Union-Yacht-Club“ zur Kenntnis (Zl. 26.294, Statthalterei Zl. 69.052). Die neuen Statuten in 22 Artikeln brachten fünf Neuerungen:

  1. Dachverband statt Einheitsverein. Der UYC bestand nun aus dem „Stammverein“ in Wien und den Zweigvereinen (Art. IV). Jeder Verein, auch der Stammverein, erhielt ein eigenes, für alle gleiches Normalstatut. Rechtlich gab es damit in Wien zwei Union Yacht Clubs: den Stammverein und den Gesamtclub, beide mit Sitz in der Villa Miramar.
  2. Neuer Zweck. Der UYC sollte „einheitliche Bestimmungen für den Segelsport auf den österreichischen Binnenwässern festzustellen“ und „ein Bindeglied sein für die Mitglieder der Segelvereine“ (Art. III). Von jedem See durfte nur ein Verein Zweigverein werden (Art. V).
  3. Gemeinsamer Name. Jeder Verein führte die Flagge des UYC und die Bezeichnung „Union-Yacht-Club“ vor seinem eigenen, engeren Namen (Art. VI).
  4. Kongress aller Mitglieder. Neues oberstes Organ wurde der Kongress aller aktiven Mitglieder, einberufen nur im Winter (Art. XIX). Ihm allein standen Statutenänderungen, Aufnahme und Ausschluss von Zweigvereinen und die Auflösung des UYC zu (Art. XX). Abgestimmt wurde nach Kurien: Die Mitglieder jedes Vereins bildeten eine Kurie mit einer Stimme.
  5. Größeres Gewicht der Zweigvereine. Im Zentral-Ausschuss hatten die Delegierten nun volles Stimmrecht, je angefangene 20 aktive Mitglieder ihres Vereins eine weitere Stimme (Art. XVII).

Der Stammverein behielt dennoch eine starke Stellung. Seine Funktionäre bildeten weiterhin die Clubleitung des Gesamtclubs: Der Obmann des Stammvereins war Präsident des UYC, sein Stellvertreter Vizepräsident, dazu kamen Oberbootsmann, Schriftführer und Kassier des Stammvereins (Art. XIV). Ein Antrag im Kongress war nur angenommen, wenn die Kurie des Stammvereins zustimmte – ein faktisches Vetorecht (Art. XIX). Der Stammverein konnte nicht ausgeschlossen werden; löste er sich auf, endete auch der UYC, und bei einer Auflösung des UYC durfte nur der Stammverein Flagge und Namen weiterführen (Art. V, VIII, IX, XXII). Die Vorherrschaft des Stammvereins endete erst mit den Statuten von 1921.

Das Normalstatut. Zugleich trat ein Normalstatut in Kraft, das für jeden Verein der Union gleich lautete, auch für den Stammverein. Wer in einen Verein aufgenommen wurde, war damit automatisch Mitglied des UYC. Die Aufnahme blieb eine strenge Ballotage: Der Bewerber brauchte zwei Proponenten, die ihn persönlich kannten, und er durfte weder vom Zentral-Ausschuss noch von einem einzigen aktiven Mitglied abgelehnt werden; Gründe musste niemand nennen. Auch Wassersportvereine konnten nun Mitglied werden. Wer aus einem UYC-Verein ausgeschlossen wurde, durfte in keinen anderen mehr aufgenommen werden. Jeder Verein wählte einen Delegierten für den Zentral-Ausschuss, der im Winter in Wien wohnen musste.

Änderungen bis 1913. Die Kongresse vom 6. Mai 1905, 24. April 1906 und 22. Mai 1907 änderten einzelne Punkte. In der Fassung von 1913 gehörten neben den Funktionären des Stammvereins und den Delegierten auch die Obmänner der Zweigvereine dem Zentralausschuss an. Zweigvereine waren damals Wörthersee, Attersee, Traunsee, Wolfgangsee, Mondsee und Bodensee. Junioren von 15 bis 22 Jahren führten einen eigenen Stander, das blaue Kreuz ohne Wappen. Präsident war Dr. Hans Freiherr von Friebeiß.

Flagge und Titel. Mit allerhöchster Entschließung vom 24. August 1905 durfte der UYC den rot-weiß-roten Bindenschild mit Spangenkrone im blauen Kreuz seiner Flagge führen (Erlass des Ministeriums des Innern vom 1. September 1905, Z. 34193; die Traunseer Chronik nennt irrtümlich den 14. August). Zum 25-Jahr-Jubiläum erhielt der Club am 3. August 1911 das Recht, sich „Kaiserlich-Königlicher Union Yacht Club“ zu nennen.

Verbände. Im November 1887 nahm Vizeadmiral Freiherr von Sterneck die Stelle des Ehren-Commodore an. 1892 trat der UYC dem k.u.k. Yachtgeschwader in Pola als Stifter bei. 1910 folgte der Beitritt zur International Yacht Racing Union; die Landesvertretung blieb aber beim Yachtgeschwader. Erst im Krieg, im Mai 1916, entstand der Österreichisch-Ungarische Yachtverband.

Erster Weltkrieg. Auf den Seen kam das Segeln ab 1915 fast zum Erliegen. Nur auf der Alten Donau wurden weiter Regatten gesegelt, am 30. September 1917 etwa mit 26 Booten. Im selben Jahr gründeten die Wiener Segelvereine an der Alten Donau einen gemeinsamen Wettfahrtausschuss.

Zwischen den Kriegen 1918–1938

Nach 1918 lehnte sich der UYC an den deutschen Segelsport an: 1920 trat er dem Deutschen Seglerverband bei. Wegen seiner vielen Wettfahrtstimmen hatte er dort bald eine bestimmende Stellung; 1927 fand der Deutsche Seglertag in Wien statt.

Ein einheitlicher Club. Die neuen „Satzungen“, vom Kongress am 13. Februar 1921 beschlossen und vom Wiener Magistrat als Landesbehörde genehmigt, machten aus der Union einen straff geführten Gesamtclub. Ein Seglertag mit gleichem Stimmrecht für jedes Mitglied ersetzte den Kongress, Präsident und Vizepräsidenten wählte der Seglertag. Das Vetorecht und die Sonderstellung des Stammvereins entfielen. Über Neuaufnahmen entschied faktisch ein Aufnahmeausschuss, über Jahrzehnte besetzt mit Dr. Hein, Dr. Robert Johanny und Dr. Wunschheim. Oberbootsmann des Gesamtclubs war von 1921 bis 1938 Ing. Viktor Thausing sen.

Führungswechsel 1923/24. Am 24. Oktober 1923 starb UYC-Präsident Statthalterei-Vizepräsident Dr. Hans Freiherr von Friebeisz, am 9. Jänner 1924 der I. Vizepräsident und Obmann des Stammvereins Hofrat Prof. Ing. Dr. Carl Schlenk, 67-jährig. Schlenk gehörte dem Stammverein und dem Zweigverein Attersee seit 1906 an, leitete jahrelang den Wettfahrtausschuss und war Ehrenmitglied. Ein außerordentlicher Seglertag am 10. Februar 1924 mit 98 anwesenden und 213 vertretenen Mitgliedern wählte Univ.-Prof. Dr. Hans von Frisch (Wolfgangsee) zum Präsidenten, Sektionschef Dr. Hans Maurus zum I. und Hofrat Oskar von Meiß-Teuffen (Attersee) zum II. Vizepräsidenten. Den Stammverein führte Maurus spätestens ab 1925 als Obmann. Friebeisz’ Witwe stiftete eine jährliche „Dr. Hans Freiherr von Friebeisz-Gedenkwettfahrt“, die 1924 erstmals der Stammverein und danach reihum die Zweigvereine nach ihrem Gründungsalter auszurichten hatten.

Das Clubblatt „Flugzeug und Yacht“. Seit 1923 erschien in Wien die Zeitschrift „Flugzeug und Yacht“. Mehrere Zweigvereine erklärten sie zu ihrem Vereinsorgan, und am 4. April 1924 machte der Vorstand sie zum offiziellen Kluborgan des UYC. Bis Ende 1926 erschienen dort alle amtlichen Mitteilungen, Ausschreibungen, Wahlergebnisse und Wettfahrtberichte; danach gab der Club seine eigenen „Mitteilungen“ heraus.

40 Jahre UYC. Das Jubiläum wurde Anfang 1926 gefeiert: mit einem außerordentlichen Seglertag am 2. Februar im Festsaal der Technischen Hochschule, einem Bankett im Hotel Meißl & Schadn und am 3. Februar einem Ball im Zeremoniensaal der Hofburg; im August folgten Jubiläumswettfahrten auf dem Attersee. In seiner Festrede würdigte Maurus den Stammverein als „Pflegestätte der Kleinsegelei“, die auch die anderen Vereine an der Alten Donau zum regelrechten Wettsegeln gebracht habe, und beschrieb den UYC als gesellschaftliche Vereinigung, die ihren „exklusiven Charakter“ stets bewahrt habe. Im selben Jahr feierte der Zweigverein Wolfgangsee sein 25-jähriges Bestehen.

Die Satzungen von 1921 gaben dem UYC drei Aufgaben: einheitliche Wettsegel-, Bau- und Vermessungsbestimmungen für Rennboote, die Pflege des Segelsports und des geselligen Verkehrs sowie die Gründung und Verbindung von Zweigvereinen. Ausdrücklich genannt wurden nun auch das Wander- und Geschwadersegeln, das Jugendsegeln und der Motorbetrieb, soweit er dem Segeln diente: Hilfsmotor, Schlepp-, Nachrichten-, Rettungs- und Aufsichtsdienst. Der Seglertag trat alle zwei Jahre im November oder Dezember zusammen, das Vereinsjahr lief von November bis Oktober. Dem Vorstand aus Vorsitzendem, zwei Stellvertretern und Vertretern der Zweigvereine standen Ausschüsse zur Seite: für die Aufnahme neuer Mitglieder, eine technische Kommission, ein Kreuzer- und ein Jugendausschuss, dazu bestellte Yachtvermesser.

Die Seglertage 1922 und 1926 änderten die Satzungen in Einzelheiten. 1926 wurden die Bestimmungen über Jugendabteilungen und Jugendliche neu gefasst, weil die bisherigen nicht mit den Vorschriften des Deutschen Seglerverbands übereinstimmten. Der Neudruck von 1927 trägt den Titel „Die Gesetze des Union-Yacht-Clubs“ und ist von Präsident Hans von Frisch unterzeichnet. Die letzte Fassung vor dem Krieg, 1935 vom Sicherheitsdirektor des Bundes genehmigt, übertrug übergeordnete Fragen ausdrücklich dem neuen Landesverband. An der Spitze standen nun ein Präsident und zwei Vizepräsidenten. Jeder Zweigverein entsandte einen Vertreter je angefangene 100 aktive Mitglieder, und die drei stärksten Vereine hatten Anspruch auf je eines der Ämter Oberbootsmann, Schriftführer und Säckelwart. Über neue Mitglieder stimmte der Vorstand einzeln ab und brauchte eine Zweidrittelmehrheit.

Die 10-qm-Rennjollen. An der Alten Donau entstand nach dem Ersten Weltkrieg eine eigene Bootsklasse, die 10-qm-Rennjolle, anfangs als Cat, später als Sloop getakelt. Die meisten Risse stammten von den Ehrenmitgliedern Direktor Ing. Rudolf Walker und Dipl.-Ing. Rudolf Schlenk. 1927 besaß der Stammverein 47 Segelboote: 21 Kanus mit 5 qm, 17 Jollen mit 10 qm, fünf mit 15 qm, eine mit 20 qm und drei 22er. Die Clubanlage wurde in dieser Zeit erweitert, vor allem dank Obmann Hofrat Dipl.-Ing. Carl Schlenk und Ausschussmitglied Willy Riedl.

Erfolge. Zu den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam durfte der Stammverein den österreichischen Segler bestimmen: Der Ständige Ausschuss der österreichischen Seglervereine übertrug ihm die Auswahl als Zentrum der Jollen- und Kleinsegelei, und der Ausschuss des Stammvereins entsandte Dr. Robert Johanny in der 12-Fuß-Jolle. Im selben Jahr stifteten Mitglieder den Donau-Pokal für die 10-qm-Rennklasse. Zur ersten Austragung kamen zwei Hamburger Zehner des Norddeutschen Regattavereins, die ersten deutschen Gäste einer Regatta an der Alten Donau; den Pokal gewann Ing. Rudolf Schlenk mit seiner „Pan“ (die Festschrift von 1986 nennt die „Pan II“). 1930 kamen erneut Hamburger Segler nach Wien, 1929 segelten Boote des UYC auf der Hamburger Alster. Von 1933 bis 1935 gewann eine Mannschaft unter Dr. Hermann Lerch mit den Junioren Rolf von Halle und Hans Heinz Böcker dreimal in Folge die österreichische Jollenmeisterschaft der 22er-Klasse am Wörthersee. 1935 richtete der Stammverein die Olympia-Auswahlrennen in der neuen Olympiajolle aus und im September auf der Oberen Alten Donau auch die erste österreichische Staatsmeisterschaft im Segeln; erster Staatsmeister wurde Dietz Angerer vom UYC Millstättersee.

Regattabetrieb an der Alten Donau. In den 1920er-Jahren segelte der Stammverein jedes Jahr eine Frühjahrs- und eine Herbstwettfahrtreihe, mit eigenen Wanderpreisen wie dem „Pan-Preis“ und der „Carl-Schlenk-Erinnerung“. Die Ausschreibungen erschienen zunächst in der Zeitschrift „Flugzeug und Yacht“, die 1925 auch eine Luftaufnahme des „Segelreviers des Union-Yacht-Clubs Stammverein“ brachte, ab 1927 in den eigenen „Mitteilungen des Union-Yacht-Clubs“. Ab 1927 rechnete der Club seine Regatten mit denen des Wiener Segel- und Ruderclubs zusammen, ab 1930 richteten mehrere Vereine des Wiener Reviers, darunter der UYC Neusiedlersee, eine gemeinsame Frühjahrsveranstaltung aus. 1933 und 1934 lud der Stammverein zu „Internationalen Segelwettfahrten auf der Alten Donau“; Oberbootsmann war 1934 Ing. Rudolf Schlenk. 1935 fand die erste Olympia-Auswahl-Wettfahrtreihe des Stammvereins auf der Oberen Alten Donau statt.

Die Wettfahrtberichte in „Flugzeug und Yacht“ zeigen den Betrieb im Detail: 1924 segelte der Stammverein je drei Frühjahrs- und Herbstwettfahrten, im Wechsel mit dem Wiener Segel- und Ruder-Club. Oberbootsmann und Berichterstatter war Ing. Drexler. Die meisten Boote der 10- und 15-qm-Klassen stammten von Walker und Schlenk; Walker gewann 1925 mit „Willy“ und „Putzile“ den Amateur-Konstrukteurpreis. In der 10-qm-Klasse startete 1925 mit Fräulein A. Knaur auf „Mädi I“ auch eine Seglerin für den Stammverein. Seit 1924 trug der UYC zudem zwei Länderwettkämpfe in der 22-qm-Rennklasse aus, einen deutsch-österreichischen und einen österreichisch-ungarischen mit dem Königlich Ungarischen Yacht-Club, beide angeregt vom Zweigverein Wörthersee.

Die Zeit Maurus. Sektionschef Dr. Hans Maurus führte den Stammverein von 1925 bis 1938. In den 1930er-Jahren war er auch Präsident des Gesamtclubs; 1927 hatte dieses Amt noch Prof. Hans von Frisch vom UYC Wolfgangsee inne. Unter ihm entstand 1931 der Ständige Ausschuss der österreichischen Seglervereine, 1933 umgewandelt in den Verband der österreichischen Seglervereine, dessen Vorsitz der UYC-Präsident innehatte. 1935 fanden auf der Alten Donau die Auswahlrennen in der neuen Olympia-Jolle statt; der Stammverein kaufte dazu die Clubboote „Nirwana“ und „Donau“. 1935 war der Stammverein mit 132 Mitgliedern nach dem Attersee (206) der zweitgrößte Verein der Union. 1936 feierte der UYC sein 50-jähriges Bestehen mit dem Jahrbuch „Fünfzig Jahre Union-Yacht-Club“.

Der Ausschuss in den Clubmitteilungen. Die „Mitteilungen des Union-Yacht-Clubs“ (1927–1937) druckten die Wahlergebnisse der Generalversammlungen ab. Sektionschef Dr. Hans Maurus führte den Stammverein in dieser ganzen Zeit. Obmann-Stellvertreter war bis 1931 Dr. Ernst v. Obermayer(-Rechtsinn), der zugleich den Zweigverein Grundlsee leitete und 1932 Ehrenmitglied wurde, danach Walter Klunzinger. Oberbootsmann war 1927/28 Erwin Scholz, von 1928 bis 1934 Ing. Rudolf Schlenk, 1935 und 1936 Ing. Helmut Imendörffer und 1936/37 Ing. Walter Klunzinger; Schriftführer blieb Ing. Felix Schlenk. Die Kasse führte bis 1928 lange Max Schmidt, dann Rudolf von Halle und ab 1936 Baumeister Carl Jung, der seit 1932 auch Hauswart war. Die Generalversammlungen fanden im Winter statt, 1934 etwa im Hotel Meißl & Schadn; in der kalten Jahreszeit traf man sich zu Kegelabenden im Café Kaisergarten am Opernring. 1928 nahm der Verein Berta Österlin, Sekretärin des Wiener Frauenerwerbvereins, als ausübendes Mitglied auf. Die vollständigen Ausschüsse aller Vereine stehen auf der Seite „Funktionäre“.

50 Jahre UYC. Am 21. April 1936, dem Gründungstag, feierte der Club sein Jubiläum mit einem außerordentlichen Seglertag im Festsaal des Alten Rathauses. Präsident Maurus erinnerte an Edward Drory und die verstorbenen Gründer; Ing. Viktor Thausing sen. hielt den Festvortrag „Erinnerungen an die ersten Jahre des Union-Yacht-Clubs“. Darin berichtet er, Gustav Fritz habe als Anhänger der damals jungen christlichsozialen Partei „jene Grundsätze für die Mitgliederaufnahme eingeführt“, die weiter gegolten hätten. Was diese Grundsätze besagten, etwa ob sie Juden von der Mitgliedschaft ausschlossen, ist bisher nicht belegt und sollte geklärt werden.

Eine eigene Jugendabteilung beschloss die Generalversammlung des Stammvereins Anfang 1928. Leiter wurde Dr. Ernst v. Obermayer, unterstützt von Dr. Curt Ludwig Müller; Obmann der Jugendlichen war Viktor Thausing jun. Ende 1928 zählte die Abteilung 18 Mitglieder, und Primarius Dr. Herbert Körbl stellte einen Preis für eigene Jugendwettbewerbe in Aussicht. Weil die Hauptsegelzeit an der Alten Donau in Frühling und Herbst in die Schulzeit fiel, blieb die Abteilung lose organisiert. Dennoch gingen aus ihr bedeutende Segler hervor. Im Juni 1935 veranstaltete der Stammverein eine Jugend-Wettfahrtreihe in Olympiajollen; aus Stammverein und Wörthersee starteten Hans Heinz Böcker, Rolf v. Halle, Dagmar Johanny und Hermann Klee. Böcker und Halle verzichteten nach dem letzten Rennen freiwillig auf ihre Siegerplätze, was die Mitteilungen als Beispiel für den „vornehmen Geist unseres Sports“ lobten.

1938–1945: Eingliederung und Zerstörung

Mit dem „Anschluss“ im März 1938 verlor der UYC seine Selbständigkeit. Der Gesamtclub verlor seine Funktion, die Zweigvereine wurden als Zweigabteilungen dem Yacht-Club von Deutschland eingegliedert; der Stammverein durfte als einziger den Namen „Zweigabteilung Union Yacht Club Wien“ führen. Statt des kaiserlichen Standers mussten alle Vereine den Einheitsstander mit Reichsadler und Hakenkreuz führen. Den formalen Schlussstrich zog ein Schriftwechsel von 1941. Am 31. März 1941 schrieb Rudolf Walker als „Vereinsführer“ dem Reichsstatthalter in Wien: Der 1886 gegründete Union Yacht Club sei zu streichen, während der Union Yacht Club Stammverein „ein Zweigverein des Union Yacht Club gegründet 1902“ in eine Zweigabteilung des Yacht-Clubs von Deutschland mit Stammsitz Kiel umgebildet worden sei. Diese führe „zur Erhaltung der Tradition“ den Namen „Yacht Club von Deutschland, Zweigabteilung Union Yacht Club Wien“. Als Adresse gab Walker Wien III., Kölblgasse 2 an. Am 3. April 1941 leitete der Reichsstatthalter die Löschung des Gesamtclubs ein. Im Jänner 1942 hielt die Behörde fest, dass der Verein sich selbst aufgelöst hatte und ohne Vermögen aus dem Vereinsregister gelöscht worden war.

An der Spitze des Stammvereins folgte 1938 Direktor Rudolf Walker auf Hans Maurus. Im selben Jahr ging der 1882 gegründete Wiener Segel- und Ruderclub im Stammverein auf. Damit kam zur Anlage am Westufer ein Starthaus am Ostufer der Alten Donau hinzu, das für Wettfahrten sehr wertvoll war.

Die Festschrift von 1986 hält fest, dass der Club „durch die neuen politischen Bestimmungen eine Anzahl bedeutender und angesehener Mitglieder, besonders der älteren Generation“ verlor. Wer diese Mitglieder waren und was mit ihnen geschah, ist bisher nicht aufgearbeitet.

Während des Krieges segelte eine starke Jugendabteilung weiter. Der Stammverein wurde zum Sammelpunkt für Mitglieder anderer Zweigvereine, die bei ihm deren Clubboote vorfanden.

Das Kriegsende traf die Anlagen schwer. Am Fischerstrand schlugen fünf Bomben ein: Sie zerstörten das Clubwarthaus und beschädigten den Kanuschuppen und die Villa Miramar. Das Starthaus wurde durch Artilleriebeschuss verwüstet. Die Einrichtung war verheizt oder gestohlen, fast alle Boote waren vernichtet oder verschwunden. Willy Riedl, Dipl.-Ing. Viktor Thausing d. J. und Rolf von Halle retteten mit jungen Mitgliedern, was zu retten war.

Wiederaufbau und Traditionsverband 1945–1986

Nach 1945 nahmen alle Union Yacht Clubs ihren alten Namen und ihre alte Flagge wieder an; sie betrachten ihren Bestand als nie unterbrochen. Willy Riedl, der „Obmann der ersten Tage“, sammelte einen ersten Ausschuss. Viele frühere Mitglieder kehrten nicht zurück: Krieg und Tod hatten die Reihen gelichtet, und manche mussten den Club erneut verlassen, weil sie den nun geltenden politischen Bestimmungen nicht entsprachen.

Wiederaufbau. Schon 1946 errichtete der Club das Starthaus aus Eigenmitteln als Holzbau neu. Seit 1946 wohnte der Clubwart mit seiner Familie in der Villa Miramar und versorgte die Mitglieder. 1951 waren die Schäden behoben, eine Kaimauer errichtet und das neue Clubwarthaus fertig. Die neue Flotte bestand vor allem aus Piratjollen, die sich für die Alte Donau gut eigneten; 1949 kaufte der Club einen neuen Pirat als Clubboot. 1948 vertrat das Mitglied Harald Musil Österreich bei den Olympischen Spielen in England. 1953 trat der Stammverein wieder neben sechs anderen Vereinen bei einer gesamtösterreichischen Regatta an.

Neue Verbände. 1946 entstand der Österreichische Segelverband. Er übernahm Vermessung, Yachtlisten, Meisterschaften und die internationale Vertretung – Aufgaben, die früher der UYC wahrgenommen hatte. Die einzelnen UYC-Vereine waren nun selbständig und gingen getrennte Wege; ein Versuch um 1950/51, mit einheitlichen Statuten wieder einen Gesamtclub zu bilden, blieb unvollständig.

Der Traditionsverband. Vor allem auf Betreiben des Ehrenmitglieds Baurat h.c. Dipl.-Ing. Rudolf Schlenk beschlossen die Clubs am 11. Dezember 1960, den Gesamtclub in einen Traditionsverband umzubilden. Am 27. April 1961, im 75. Jahr des UYC, wurde der UYC-Traditionsverband gegründet, dem seither wieder alle Union Yacht Clubs angehören. Schlenk wurde Ehrenpräsident. Der Stammverein zählte damals 95 aktive Mitglieder und 26 eingetragene Yachten.

Abwanderung und Jugend. Mit Wohlstand und Auto wanderten viele Mitglieder auf größere Reviere ab; das Starthaus wurde untervermietet. Nach 1966 entstand erstmals eine eigene Jugendabteilung, betreut von Clemens Baillou und Dr. Peter Mohilla. Ab 1973 baute Dr. Michael Schwamberger über die Albertus-Magnus-Schule eine neue Jugendarbeit auf. 1977 hatte die Jugendabteilung 39 Mitglieder und gewann unter Oberbootsmann Dr. Herbert Steiner 100 Preise in einer Saison. 1978 segelten Mannschaften des Stammvereins im 420er bei der Kieler Woche, den Deutschen Meisterschaften und der Weltmeisterschaft in Dänemark. Von 1976 bis 1979 kaufte der Club vier neue 420er.

Neue Donau und Verlust des Starthauses. Im Oktober 1974 hielt der Stammverein als erster Wiener Verein Regatten auf dem neuen Entlastungsgerinne ab, der heutigen Neuen Donau. Anfang 1980 brannte das Starthaus ab und konnte wegen behördlicher Schwierigkeiten nicht wieder aufgebaut werden.

Der Stammverein seit 1986

Zum 100-jährigen Bestehen 1986 erschienen die Festschrift des Stammvereins mit dem Beitrag von Ing. Rolf Halle und Wladimir Aichelburgs Band „K.u.k. Yachten und Yachtclubs Österreich-Ungarns“. Halle beschrieb den Stammverein als Ausbildungsverein: Er bilde Segler aus, die mit wachsendem Können auf größere Reviere abwandern.

Den Verein führten seither drei Obmänner: Dr. Herbert Steiner bis 1998, Mag. Alexander Schmid-Siegel von 1999 bis 2011 und Mag. Michael Steiner seit 2012. Sitz ist weiterhin die Villa Miramar, Fischerstrand 31 im 22. Bezirk, zugleich Vereinsadresse des UYC-Traditionsverbands. Der Stammverein ist Mitglied des Österreichischen Segelverbands, des Wiener Landessegelverbands und des UYC-Traditionsverbands.

Dieser Abschnitt ist noch dünn belegt. Ergänzungen aus Protokollen, Clubnachrichten und Erinnerungen der Mitglieder sind willkommen: Regattaerfolge, Bauvorhaben, Jubiläen 2011 und 2016, Jugendarbeit.

Die Statuten im Überblick

Zwischen 1886 und 1935 gab sich der UYC fünf grundlegend verschiedene Verfassungen; jede spiegelt das Verhältnis zwischen Stammverein und Zweigvereinen in ihrer Zeit. Alle Fassungen und die Genehmigungsakten liegen im Vereinsarchiv (Ordner „Statuten und Behördenakten 1886–1945“).

FassungBeschluss und GenehmigungWas sich änderte
1886Statuten eingereicht von Drory, Lott und Popp; bescheinigt 12. April 1886, Zl. 5945Ein Verein mit Stammverein und Zweigvereinen; Stammverein führt das Ganze; Aufnahme einstimmig, offene Abstimmung
1888/1898Änderung 1898 vom Ministerium des Innern zur Kenntnis genommen (6. Dezember 1898)Jahres- statt Monatsbeitrag; Junioren von 15 bis 24 Jahren mit eigenem Stander
1902ao. Generalversammlung des Stammvereins 24. April 1902; Ministerium des Innern 2. Juli 1902, Z. 26.294Dachverband mit Normalstatut für alle Vereine; Kongress mit Kurien; Stammverein stellt Clubleitung und hat Veto
1905–1913Kongresse 6. Mai 1905, 24. April 1906, 22. Mai 1907; Flagge 24. August 1905; Titel „k.k.“ 3. August 1911Obmänner der Zweigvereine im Zentralausschuss; Junioren 15 bis 22 Jahre
1921Kongress 13. Februar 1921; Wiener MagistratEinheitsclub mit Seglertag; Sonderstellung des Stammvereins endet; Jugendsegeln, Wandersegeln, Motorhilfe
1926/27Seglertage 1922 und 1926; Neudruck 1927Jugendbestimmungen an den Deutschen Seglerverband angepasst
1935Sicherheitsdirektor des BundesPräsident und zwei Vizepräsidenten; Vertreter je 100 Mitglieder; übergeordnete Fragen beim Landesverband
1941Reichsstatthalter in Wien, 3. April 1941Löschung des Gesamtclubs; Stammverein besteht als Zweigabteilung weiter

Die Obmänner des Stammvereins

In 140 Jahren führten 17 Personen den Stammverein, Rudolf Walker zweimal; bis 1938 war der Obmann meist zugleich Präsident des Gesamtclubs. Für 1976 bis 1979 ist die Besetzung nicht überliefert.

ZeitraumObmann
1886Prof. Dr. Hugo Weidel
1887Eugen Freiherr von Ransonnet-Villez
1888–1897Constantin Freiherr von Popp-Böhmstetten
1898–1909Prof. Dr. Gustav Lott
1910–1920Hans Freiherr von Friebeiß
1921–1924Hofrat Ing. Carl Schlenk
1925–1938Sektionschef Dr. Hans Maurus
1938–1945Direktor Rudolf Walker
1945–1946Willy Riedl
1947Ing. Viktor Thausing
1948–1951Rolf von Halle
1951–1954Dipl.-Ing. Felix Schlenk
1954–1958Direktor Rudolf Walker
1958–1968Dipl.-Ing. Helmuth Imendörffer
1969–1975Dr. Hermann Lerch
1976–1979nicht überliefert
1980–1998Dr. Herbert Steiner
1999–2011Mag. Alexander Schmid-Siegel
seit 2012Mag. Michael Steiner

Quelle: Vorstandsliste des UYC-Traditionsverbands; Gründer und Funktionäre aller Vereine stehen im Personenverzeichnis.

Quellen

Archivalien und Festschriften (digital im Archiv des UYC Attersee):

Statuten und Behördenakten: Statuten von 1886 (April und Juni), 1888/1898, 1902 (mit Normalstatut), 1913, 1921, 1927 und 1935 sowie die Genehmigungsakten 1886–1935 und der Löschungsakt 1941–1942, aus dem Archiv des UYC Attersee; Kopien im Vereinsarchiv, Ordner „Statuten und Behördenakten 1886–1945“.

Zeitungen (ANNO, Österreichische Nationalbibliothek): Allgemeine Sport-Zeitung 1886 (Gründungsmeldung S. 347, Regatten S. 556, 651, 753), 1887, 1888 und 1904 (Nachruf Edward Drory); Neue Freie Presse 26.7.1899 (Parte Henry Drory); Neues Wiener Tagblatt 18.9.1904; Wiener Salonblatt 12.2.1888.

Weitere: UYC-Traditionsverband, Wien Geschichte Wiki: Union Yacht Club, Wien Geschichte Wiki: Henry James Drory, Drorystraße Berlin.

Clubzeitschriften (ANNO, Österreichische Nationalbibliothek): „Flugzeug und Yacht“, offizielles Organ des UYC 1924–1926, und „Mitteilungen des Union-Yacht-Clubs“ 1927–1937, beide vollständig ausgewertet.

Weiterführend

  • Zeitleiste: die wichtigsten Daten von 1875 bis heute auf einen Blick
  • Personen: alle Personen mit ihren Fundstellen in Zeitungen und Clubzeitschriften
  • Funktionäre der Union 1921–1937: Ausschüsse des Gesamtclubs, des Stammvereins und aller Zweigvereine, mit Belegen
  • Vorstandsliste: die Vorstände des Stammvereins Jahr für Jahr seit 1886 (für angemeldete Mitglieder)
  • Quellen: Statuten, Festschriften und Zeitungsberichte mit Links zu den Originalen
  • Fundstellen: rund 1.100 Zeitungs- und Zeitschriftenseiten 1886–1963 mit Link zum Original

Stand: Oktober 2026. Zusammengestellt von Mag. Michael Steiner für den Union Yacht Club Stammverein. Ergänzungen und Korrekturen sind willkommen.

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